St. Katharina v. Siena Katholische Kirche in Lindern

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Pilgern auf dem Hermannsweg

Über das lange Himmelfahrtswochenende machten sich insgesamt 12 Pilger/innen aus der Kirchengemeinde St. Katharina in Lindern, unterstützt durch Pilger aus Cloppenburg, Oldenburg und Duisburg auf den Weg, um bis zum Samstag einen Teil des Hermannsweges im Teutoburger Wald zu erpilgern. Die Leitung und Vorbereitung der Pilgertour lagen bei Jörg Müller aus Rees und der Pastoralreferentin Kerstin Kröger aus Lindern.

Stimmung und Wetter hätten nicht besser sein können. Ein Pilger aus Oldenburg lobte im Nachgang  die tolle freundschaftliche Gemeinsamkeit und das Super-Miteinander in der Pilgergruppe. »Jeder Tag war für mich ein Genuß und hat mir sehr viel Freude gemacht, dank auch für das fesselnde Pilgerprogramm.«
Und so steht eines fest steht: Nach dem Pilgern ist vor dem Pilgern! Es wird sicher in 2017 wieder eine Pilgertour angeboten, Ziel und Zeitpunkt werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Der Hermannsweg ist ein alter Wanderweg im Teutoburgerwald und führt von Rheine bis
Ostwestfalen/ Lippe. Der Pilgerweg an diesen 3 Tagen führte über die letzten 40 km des Hermannsweges, einer landschaftlich reizvollen Strecke im Lipperland.
Von Oerlinghausen, aus ging es mit leichten bis mittleren Steigungen über Detmold bis Leopoldstal. Vorbei an alten Gebetsstätten, dem Hermannsdenkmal und den Externsteinen und bis zum lippischen Velmerstot (441m), dem nördlichsten und höchsten Berg des Eggegebirges in Nordrhein-Westfalen, auf insgesamt 42 km. Auch wenn der Hermannsweg nicht als Pilgerweg bezeichnet wird, eignet er sich gut zum Pilgern, da er sehr abwechslungsreich ist.
Was macht das Pilgern so besonders?
Pilgern ist unterwegs sein, egal bei welchem Wetter, Weggemeinschaft sein, Natur erleben, gute Gespräche, Austausch, gemeinsam etwas erleben. Aber Pilgern ist noch mehr, durch kurze geistliche Impulse und gemeinsames Innehalten bedeutet pilgern auch, dem eigenen Leben auf die Spur kommen, guten Worten »nachgehen«, sich der Begleitung Gottes vergewissern, bei sich selbst ankommen und vieles mehr.

Ein Pilgerbericht
1. Tag, Himmelfahrt

Am Mittwochabend wurde zunächst das zentrale Quartier „Jugendbildungsstätte Kupferberg“ in der Nähe von Detmold bezogen. Von dort aus starteten alle Touren jeden Morgen aufs Neue. Nach der Eucharistiefeier im Haus Kupferberg, gestärkt durch ein gutes Frühstück und ausgestattet mit einem Lunchpakete für unterwegs, ging es zunächst mit dem Auto nach Oerlinghausen. Hier war der Startpunkt zu einem ca. 15 km Fußmarsch auf dem Hermannsweg zurück zur Jugendbildungsstätte Kupferberg. Schon am ersten Tag meinte die Sonne es besonders gut mit der Pilgergruppe und bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Wandertemperaturen ging es zügig los. Unterwegs waren auch viele »Vatertagswanderer« und so kam es am Rande zu netten und amüsanten Begegnungen.

Foto: H. Käter

Die Pilgergruppeaus Lindern auf dem Hermannsweg.

Die Ruinen der Hühnenkapelle oberhalb von Oerlinghausen boten einen ersten Punkt zum Innehalten: »Auf dem Weg sein: Was bedeutet es, sich auf einen Pilgerweg zu machen und einen neuen Weg zu gehen? Was ist das /mein Ziel?«
Beim Pilgern hat »sich auf den Weg machen« in der Regel eine doppelte Bedeutung:
Es geht zum einen um den tatsächlichen Weg, den wir zurücklegen, zu dem sichtbaren Ziel: Velmerstot am Samstagnachmittag. Dazu brauchen wir gute Schuhe, gescheites Wetter, ein bisschen  was im Rucksack und jemanden der den Weg kennt.
Die zweite Bedeutung stellt sich beim Pilgern meist von allein ein. Das passiert einfach.
»Sich auf den Weg zu machen« ist, einfach einmal Zeit haben für sich selbst,
den eigenen Gedanken freien Lauf lassen, das eigene Leben reflektieren.

Erster Impuls zum Thema: "Auf dem Weg sein!"

Die Mittagspausenbrote kommen zum Einsatz.

Ein zweiter, weiterführender Gedanke  zur Frage: »Wo sich Himmel und Erde berühren« war an der Rethlager Quelle geplant. Allerdings rasteten weitere Wanderer an diesem Ort. »Wollen wir wirklich jetzt hier still werden und beten, singen? Oder stören wir die anderen oder sie uns?« Die Gruppe entschloss sich dazu den Impuls trotzdem zu halten und das war gut so. Das Pilgeranliegen ist ja kein Geheimnis. Sich auf dem Weg zu sich selbst und zu den in uns liegenden Schätzen zu machen ist sogar für die zufällig vorbeikommenden interessant.

2. Tag

Nach einem angenehm entspannten Frühstück und mit gut gefülltem Rucksack ging es auf zum zweiten Pilgertag. Die zweite Etappe begann direkt am Haus Kupferberg, das Ziel war der Bärenstein in Horn-Bad Meinberg. Der Weg führte wieder durch wunderschöne Gegenden mit viel Wald, steinig-schnörkeligen Wegen und weiten Blicken in die hügelige Landschaft. Einige Stellen erwiesen sich wie geschaffen für ein  meditatives Innehalten: »Hindernisse auf dem Weg, auf meinem Lebensweg« werden greifbar und auch schlechte Wegverhältnisse bezwingbar.

Immer wieder ein schöner Blick in die Weite

Auf dem Weg zum Hermannsdenkmal nutzte eine Pilgerin die Gelegenheit, ein sogenanntes „Stein-Manderl“ zu hinterlassen – kleine Steintürme, die man u.a. in Südtirol kennt. In erster Linie markieren sie Wege, aber um sie bauen zu können, braucht es Ruhe und Konzentration. Ruhe und vor allem ein geringeres Tempo war für den nun bevorstehenden ehr steilen Anstieg zum Hermannsdenkmal nötig. Eine »Übung zur Langsamkeit« stellte die Gruppe auf ein ruhiges Tempo ein. Jeder geht und denkt für sich. Auch das ist Pilgern: das eigene Tempo finden, auf den Atem achten und möglicherweise den inneren Stimmen, die immer lauter rufen »Mach Pause, das ist zu steil!« wiederstehen und wenig Bedeutung geben.

Nach ca. 6 km ist es geschafft, das Hermannsdenkmal ist erreicht. Aussicht und Wetter könnten nicht besser sein. Eine gute Gelegenheit, eine Pause einzulegen und ein Gruppenfoto machen zu lassen. Einige Teilnehmer genossen den wunderbaren Blick von der oberen Plattform des Denkmals, auf die Städte Detmold, Lage bis nach Bad Salzuflen und Bielefeld hin, bevor der Weg fortgesetzt wurde.

Leicht war der Weg bergab durch den Frühlingswald. Und gerade deshalb war es gut, bei einer Pause den Blick auf die kleinen und unscheinbaren Dinge, der uns umgebenden Natur, zu richten.

Die Etappe endete am Bärenstein und nach leckerem Essen in einem Wandercafe ging es mit den Autos zurück zum Quartier Kupferberg.

3. Tag

Aufbruch zur letzten Etappe. Das Ziel des Vortages ist der Startpunkt für den heutigen Tag. Ungefähr 2 km nordwestlich der Externsteine begann die dritte und letzte Etappe des Pilgerweges. Die Gedanken des Tages sind »Gott lässt sich im Verborgenen finden«: Wie ein Schatz im Acker, im Acker des Alltags oder wie in Gesprächen, Schweigen oder Gedanken während dieser Pilgertour.

Nach etwa einer Stunde Anstieg durch den Wald erreichte die Gruppe dieses imposante Felsengebild, die »Externsteine« mitten in der Landschaft.

Einige nutzten wieder die Gelegenheit, um sich die Welt von ganz oben anzuschauen. Schnell fand sich auch jemand, der eines der täglichen Gruppenfotos von uns machte.

Von oben genießt man eine wunderbare Aussicht.

Nach ausgiebiger Rast mit Butterbrot und Apfel folgte der letzte Rest des Weges. Immerhin sollten noch ca. 8 km gelaufen werden, bevor es auf den Heimweg ging.

Entspanntes Wandern und interessante Gespräche in einer wunderbaren Landschaft.

Zwischenzeitich wurde es ganz schön anstrengend über Baumwurzeln und Geröll. Eine gute Gelegenheit, ohne Gespräche seinen Gedanken nachzuhängen.

Aufgrund der Höhenunterschiede und damit verbundenen Steigungen war diese Etappe eine  ganz schöne Herausforderung. Aber belohnt wurde der durchaus anstrengende Teil der Reise mit einem wunderbaren Ausblick  von der Lippischen Velmerstot (441 m ü. NN) mit seiner zerklüfteten Felsenlandschaft. Dieser Punkt ist auch gleichzeitig das Ende des Hermannswegs. Mit einem kleinen »Gipfelerlebnis« und Gesang endet auch der Pilgerweg.
So blieb nur noch der Abstieg ins Leopodstal, Nach Dank und Abschied machte sich die Pilgergruppe wieder auf, in die südoldenburgische Heimat.

Überwältigende Aussicht.

Wir sind - und haben es - geschafft.